Die Macht der Worte – so punkten Sie!

Ob das Schreiben der ersten Mail oder das Antworten auf ein Anschreiben – Buchautorin Andrea Micus gibt Ihnen alle zwei Wochen wertvolle Tipps, um Ihren Schreibstil zu schärfen und somit auf positives Feedback bei Ihren Partnervorschlägen zu stoßen.

So wichtig ist der Schreibstil

Ein hingeschluderter Text, gespickt mit Rechtschreibfehlern. Was würden Sie als Leser davon halten? Zum einen sagt der persönliche Schreibstil viel über den Verfasser aus. Zum anderen erkennt der Leser daran auch, ob sich der Absender Mühe gegeben hat und den Adressaten ernst und wichtig nimmt.

Wer eine Mail schreibt, besonders die erste, sollte sich deshalb Zeit lassen und nicht einfach seine Gedanken flüchtig in die Tasten tippen. Denken Sie daran: Sie haben erst einmal nur die Worte, um einen Menschen für sich einzunehmen. Damit müssen Sie Aufmerksamkeit und Interesse erwecken, mehr noch, am besten sogar Sympathie und Zuneigung.

Mein Tipp: Lassen Sie sich Zeit! Wer ungeübt im Formulieren ist, sollte auf das gute alte Vorschreiben zurückkommen. Auf einem Zettel können Sie nach Herzenslust solange herumkritzeln, bis Ihnen die Sätze gefallen. Unsicher? Dann legen Sie Ihr Schreiben eine Stunde zur Seite und lesen Sie es sich mit freiem Kopf noch einmal durch.

Und darauf sollten Sie achten:

Schreiben Sie anschaulich

Das klappt, indem sie konkret beschreiben, was sie denken, fühlen, sich wünschen. „Ich träume vom großen Glück“ ist eine Information. Aber besser ist es, wenn Sie auch schreiben, wie das Glück aussehen soll. „Ich möchte einen verlässlichen Partner an meiner Seite haben und mit ihm häufig verreisen. Am liebsten mag ich Städtetrips.“

Vermeiden Sie Begriffe aus der Fachsprache

Sie arbeiten in einem Krankenhaus oder in der Computerbranche? In jedem Umfeld gibt es Fachbegriffe, die gern verwendet werden. Doch was soll ein völlig Unbekannter aus einem anderen Lebensumfeld damit anfangen? Nichts! Lösen Sie sich davon und schreiben Sie nicht von Ihrem CEO (Chief Executive Officer), sondern von Ihrem Chef. Sie wollen doch verstanden werden.

Weg mit Abkürzungen

Sie schreiben gern in der Mittagspause eine Mail und die Zeit ist knapp? Egal, Wörter muss man ausschreiben, so viel Zeit muss sein. Das „4u“ (für dich) oder „cu“ (see you – Auf Wiedersehen) kommt vielleicht im Marketing an, aber nicht in einem Brief an einen Menschen, zu dem sie eine Beziehung aufbauen wollen.

Kein umständliches Behördendeutsch

Gehören Sie zu einer Bezugsgruppe oder lesen Sie die Zeitung? Sie sind in Düsseldorf wohnhaft oder leben Sie dort? Sie merken, Behördendeutsch liest sich steif und holprig. Lassen Sie es!

Floskeln langweilen

„Zeit ist Geld“ und „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“. Was denken Sie jetzt? Richtig, das kommt Ihnen alles sehr bekannt vor. Ihrem Adressaten mit Sicherheit auch. Also schreiben Sie es gar nicht erst.

Schachtelsätze vermeiden

Sie wollen freundlich und liebenswert schreiben und keine Aufbauanleitungen übermitteln. Wer zu viel konstruiert, strengt den Leser an. Ergebnis: er klickt die ganze Mail gleich weg. Deshalb sind klare, kurze Sätze besser. Grundsätzlich gilt: man sollte mischen, denn kurze Sätze bringen Tempo, lange Ruhe in den Text. Aber letztere dürfen nie überkonstruiert sein. Tipp: Maximal zwei Kommas!

Umgangssprachliche Worte sind tabu

Sie finden ihren Job geil, die Freundin spitze, draußen ist es saukalt und der neueste Tatort törnt sie an. Mag alles sein, aber Sie sollten es nicht schreiben. Umgangssprache hat in Ihrer Mail nichts zu suchen.

Viel Glück!

So schreiben Sie eine Kontaktanfrage – und bekommen garantiert schnell eine Antwort!

Sie teilen die Liebe zum Mittelmeer und die Freude am schönen Wohnen? Das Alter passt und der Wohnort auch? Außerdem gefallen Ihnen die einfühlsam geschriebenen Zeilen im Profil. Keine Frage: Dieser Kontaktvorschlag könnte ein Volltreffer sein! Sie möchten mehr von diesem Menschen wissen und ihm eine Nachricht schicken. Doch was um Himmels willen sollen Sie schreiben?

Was schreibt man einem wildfremden Menschen, von dem man gerade mal ein paar Profilangaben kennt? 7 Tipps:

1. Grundsätzlich gilt: schreiben Sie kurz!

Fünf bis zehn Sätze sind für den Anfang ausreichend. Niemand möchte von einem völlig unbekannten Menschen gleich die komplette Lebensgeschichte lesen.

2. Anrede muss sein!

Sie kennen höchstens den Namen und ‚liebe Annegret‘ kommt Ihnen reichlich kleinkariert vor? Egal, es ist zumindest höflich und immer aktuell. Sie können sich aber auch eine Information aus dem Profil heraussuchen und sich darauf beziehen. „Liebe Münchnerin“ oder „Guten Abend lieber Autofan“ passt. Aber auch ein „Hallo an die Nordsee“ oder „Hey zu später Stunde“ ist in Ordnung. Wie Sie sich entscheiden, hängt von Ihrer persönlichen Art und Ihrem Gegenüber ab. Wie möchten Sie wirken: locker und unkompliziert, höflich und formell, unkonventionell und flippig? Vertrauen Sie Ihrem Gefühl!

3. Auf den Einstieg kommt es an!

Denken Sie an Ihre eigenen Lesegewohnheiten. Sie bleiben dann an einem Text „hängen“, wenn Ihre Neugier geweckt ist und Sie gern mehr wissen möchten. Versehen Sie also genauso wie die Profis aus den Medien Ihr Schreiben mit einer spannenden Überschrift.
Beispiel: „Ich weiß, wo die schönste Bucht auf Mallorca ist“ könnte ein Aufmacher für einen Mittelmeerfreund sein. Oder an einen leidenschaftlichen Tangofreund können Sie schreiben: „In Buenos Aires wartet man auf uns!“

4. Bleiben Sie beim Thema!

Sie wissen, wo die schönste Bucht auf Mallorca ist? Dann bleiben Sie bei dem Thema, das Sie angerissen haben. Schreiben Sie, warum sie überzeugt sind, die schönste Bucht gefunden zu haben oder wie Sie dorthin gekommen sind. Wenn Sie Tangofan sind, schildern Sie, warum Sie diesen Tanz lieben und wo Sie ihn immer gern tanzen. Wichtig: Stellen Sie sich bitte nicht vor. Ich bin…Jahre alt und arbeite als…. Das steht ja schon im Profil und bringt den Leser zum Gähnen oder – schlimmer – zum Wegklicken!

5. Machen Sie Komplimente!

Schreiben Sie offen, was Ihnen am Profil gefallen hat und warum Sie den anderen kennenlernen möchten. „Ich mag Menschen, die sehr ehrlich sind, wenn sie ein Profil ausfüllen“ oder „Ich interessiere mich für dich, weil du deine Stadt so sympathisch beschrieben hast“ oder „Du hast sehr liebevoll und einfühlsam über deine Kinder geschrieben. Das hat mir gefallen.“ Ein Lob tut immer gut und erzeugt beim anderen ein warmes Gefühl.

6. Stellen Sie Fragen!

Fragen sind ein wunderbares Stilmittel. Sie locken damit den Leser aus der Entspannung. Er wird angesprochen, fühlt sich gefordert und wird aufgefordert, zu reagieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Antwort erhalten, erhöht sich enorm. Beziehen Sie sich bei den Fragen auf das vorher angerissene Thema: „Magst du die Insel auch so gern?“ oder ganz konkret: „Warst du schon einmal in Buenos Aires?“ Sie können sich auch gezielt nach den Lebensbedingungen, dem Hobby oder Vorlieben Ihres Gegenübers erkundigen. „Machst du noch anderen Sport?“ oder „Wohnst du im Grünen?“ Doch Achtung: Fragen nach Krankheiten oder den Finanzen sind tabu. Eine Frage wie „Kannst du dir eine Reise nach Mallorca leisten?“ ist plump und distanzlos.

7. Der Ton darf locker sein!

Sie bewerben sich nicht um einen Arbeitsplatz, sondern suchen einen Partner. Deshalb darf der Ton auch unkompliziert sein. Schreiben Sie so, wie Sie Ihr Gegenüber bei einer persönlichen Begegnung auch ansprechen würden: Kurze Sätze, gern mit Alltagsbezug: „Ich war gerade beim Sport und freue mich jetzt sehr, dir zu schreiben.“ Oder: „Heute ist es draußen unangenehm kalt. Ideales Parship-Wetter!“
Vermeiden Sie aber umgangssprachliche Ausdrücke wie „Muckibude“ oder „Sauwetter“ und vergessen Sie nicht: ein korrekter Satzbau, ausgeschriebene Wörter und eine fehlerfreie Orthografie sind wichtig!

Zum Schluss:

Sie sind auf Partnersuche und nicht in einer Prüfung. Geben Sie Ihr Bestes, um ein paar treffende Zeilen zu formulieren, aber brüten Sie nicht tagelang an einem Text herum. Sätze überlegen, Wörter austauschen, korrigieren und dann weg damit. Sonst verlieren Sie Ihre Leichtigkeit und Partnersuche soll doch Freude machen.

Nachrichten gewinnend schreiben – Diese fünf Themen sind tabu!

Sie haben einen erfolgversprechenden Kontakt und zwischen Ihnen entwickelt sich seit kurzem ein lebendiger Nachrichten-Austausch. Ihr Miteinander ist so stimmig, dass Sie sich schon ein bisschen vertraut fühlen, so als ob Sie den Menschen am anderen Ende der virtuellen Leitung schon lange kennen. Sie möchten sich ganz schnell ganz viel mitteilen und sind richtig im Schreibfluss. Doch Vorsicht: auch wenn die Atmosphäre entspannt ist, sollten Sie aufpassen und kontrolliert schreiben. Denn diese fünf Themen sind tabu:

1. Finanzielle Probleme

Sie müssen laut Nebenkosten-Abrechnung mächtig nachzahlen und dann ist da noch die teure Autoreparatur und Ihre Mutter verweigert Ihnen das Erbe. Klar bedrückt sie das alles und Sie möchten sich auch mit jemandem darüber austauschen. Aber bitte nicht mit einem Menschen, den Sie noch nie gesehen haben und von dem sie gerade mal ein paar Eckdaten kennen. Hinweise auf die Finanzen stiften schnell Verwirrung und sind kein Thema für die Partnersuche.

2. Streitigkeiten in der Familie

Ihre Schwester hat sich beim letzten Weihnachtsfest unmöglich aufgeführt und mit Ihrer Tante Sabine haben Sie sich noch nie gut verstanden. Schlimm, dass Ihr Familienleben so wenig harmonisch ist. Aber ersparen Sie Ihrem Gegenüber vorläufig den ganzen Familien-Hick-Hack. Damit kicken Sie sich schneller ins Aus als Ihnen lieb ist.

3. Unzufriedenheit mit dem Leben

„Ich habe mir mein Leben anders vorgestellt!“ – Statt im Management sind Sie nur am Empfang und ärgern sich jeden Tag, dass ihr Verdienst gerade mal für eine Zwei-Zimmer-Wohnung reicht. Und Schuld an all dem haben natürlich andere. Überhaupt hat Sie niemand richtig gern. Vermeiden Sie Jammereien! Die Mitleidsmasche zieht nicht. Ihr Gegenüber sucht einen Partner und will sich nicht als Seelsorger versuchen. Für den Anfang sind Klagen ein „No go“

4. Stress-Gestöhne

„Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht“ und „die Arbeit wächst mir über den Kopf“ und „der ganze Stress setzt mir zu“. Alles Formulierungen, die Sie weglassen sollten. Wer gerade ein paar Nachrichten ausgetauscht hat, möchte entspannt sein Gegenüber weiter kennenlernen und nicht mit einem nervösen Etwas konfrontiert werden. Hektik haben die meisten Menschen selber. Bei der Partnersuche wünscht man sich Muße und Entspannung. Sie soll Freude machen und ans Ziel führen. Also – weg mit Stress!

5. Alte Beziehungen

Die Ex-Partnerin ist oberflächlich und geldgierig, der Ex-Mann dominant und ungepflegt. Was soll das denn? Abwertende Formulierungen über die Ex-Partner sind mehr als nur ein Fettnäpfchen. Wer so etwas schreibt, erzeugt – milde gesagt – einen negativen Eindruck. Für viele bislang eifrigen Online-Kontakte wird es ein Auslöser sein, eine Abschieds-Nachricht zu versenden. Also – schreiben Sie sich positiv nach vorn und niemals negativ zurück.

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