Schauspielerin Yvonne de Bark

Körpersprache lässt sich gezielt einsetzen – wenn man ein wenig Training hat. Die bekannte Schauspielerin Yvonne de Bark verrät die besten Tipps. Wir haben sie interviewt.

Die Schauspielerin im Interview

Liebe Frau de Bark, was raten Sie einer Single-Dame in einer Bar, um dem anderen Geschlecht positiv aufzufallen? Gibt es da einen bewährten Tipp?

Ja. Es gibt einen Zaubertrick, den jeder ohne viel zu üben beherrscht: Lächeln. Lächeln öffnet Türen. Durch das Lächeln zeigen Sie dem Gegenüber, dass Sie keine Gefahr darstellen sondern – im Gegenteil – bereit zur Kontaktaufnahme sind. Sollten Sie alleine (also ohne Freundin als Lächelgehilfe) sein, kommen Sie mit dem Barkeeper in ein lockeres Gespräch. Er wird gerne ein wenig mit Ihnen plauschen. So erwischen Sie zwei Aufmerksamkeitserreger mit einer Klappe: Sie zeigen, dass Sie ein netter, kommunikativer Mensch sind und alle sehen, wie schön Sie aussehen, wenn Sie lächeln. Spielen Sie bitte nicht die ganze Zeit aus Verlegenheit an Ihrem Handy herum. Erstens wird Ihre Körperhaltung dadurch klein und verschlossen, zweitens verstecken Sie bei der krummen Haltung Ihr Dekolleté (Nach Ihren gewiss wunderschönen Augen ist dies in der sitzenden Haltung nun mal DIE Attraktion Nummer Zwei für das männliche Gehirn) und drittens würde Sie kein Mann, der höflich genug ist, während der Beschäftigung mit Ihrem Handy unterbrechen. Lassen Sie stattdessen Ihren Blick lieber im Raum umherschweifen. Haben Sie dann immer noch kein nettes Lächeln erhalten, schreiten Sie den hoffentlich langen Weg zur Toilette. Dabei können Sie in Ruhe das Gelände sondieren. Seien Sie sich bewusst, dass Ihr Po während des Ganges ausgiebig in Augenschein genommen wird…

… und was können Männer tun, um einen guten Eindruck zu machen?

Frauen sind evolutionär bedingt ganz gute Körperspracheleser und erkennen ziemlich schnell, wenn sich jemand verbiegt, um einen „guten Eindruck“ zu machen. Die meisten Männer sind genau so in Ordnung, wie sie sind. Wobei auch hier gilt: Das Lächeln eines Mannes kann umwerfend auf eine Frau wirken.

Wenn Sie als Mann aber nun unbedingt Eindruck machen wollen, sollten Sie eines wissen: Frauen reagieren auf Alphamännchen. Das liegt in der Natur der Sache. Alphamännchen sind für Frauen die sicherste Möglichkeit, den Genpool optimal zu verbreiten. Alphamännchen bieten Schutz und gewährleisten das Überleben der Nachkommen. Alphamännchen machen sich groß, strahlen Kraft und Dominanz aus, sie haben viele Freunde und verkörpern Macht. Nun können Sie sich als Mann entscheiden: Wollen Sie einen gefakten ersten Eindruck machen oder es darauf ankommen lassen und sich als ehrlicher Deckel zum Topf anbieten. Ich persönlich bevorzuge die ehrlichen Deckel.

Können wir durch den bewussten Einsatz von Körpersprache unser Wesen ändern? Wo liegen die Grenzen des Möglichen?

Es gibt tatsächlich Möglichkeiten, die aktuelle Stimmung zu ändern, indem wir unsere Haltung ändern. Ein Beispiel hierfür ist der Rückkopplungseffekt, wenn wir eine so genannte „Machtpose“ einnehmen. Dabei machen wir uns beispielsweise groß, nehmen die Arme hinter den erhobenen Kopf und stellen uns breitbeinig hin. Diese Machtpose wirkt sich rückkoppelnd auf unseren Geist und somit unsere Stimmung aus. Wir fühlen uns selbstbewusster. Ich mache das jedes Mal heimlich, kurz bevor ich ein Casting oder einen Fernsehauftritt habe. Es sieht zwar seltsam aus, aber es hilft unglaublich.

Den Rückkopplungseffekt können Sie auch noch an einem anderen Trick erfahren. Nehmen Sie einen Bleistift zwischen die Zähne, so dass Sie ihren Mund zu einem breiten Grinsen verziehen, halten Sie ihn eine Minute und Sie werden Spaß haben. Der Körper signalisiert dem Gehirn: „Hier muss was lustig sein, sonst würde ich nicht so grinsen.“ Das Gehirn reagiert und sendet an den Körper zurück: „Also gut, dann freu ich mich eben.“ Und schon sind Sie bester Stimmung.

Wir können unsere Stimmung durch den Einsatz von Körpersprache ändern. Aber wenn wir unter großen Stress geraten, hilft auch die ausgefeilteste Körperhaltung nicht mehr. Dann setzen archaische Verhaltensweisen ein, die unseren Körper bereit machen, vor dem Säbelzahntiger wegzulaufen oder uns dem Feind im Kampf zu stellen.

Gestik und Mimik sind wichtig, aber auch unsere Stimme. Wie können wir an unserer Stimme arbeiten, um im Alltag, Flirt und Job unsere Ziele leichter zu erreichen?

Stimmtraining ist ein eigenes Fach in der Körpersprache und bedarf einiger Übung, richtiger Atemtechnik und einer guten Körperhaltung. Es gibt allerdings kleine Tricks, wie Sie mit Spaß Ihre Stimme fit machen können (sofern Sie keine vierstündige Rede halten müssen): Lesen Sie ein paar Absätze aus einem Buch laut und deutlich vor. Übertreiben Sie es dabei mit der Aussprache. Spielen Sie mit Betonung und Lautstärke. Haben Sie Spaß. Sie trainieren so Ihre Stimmbänder, Zunge und Lippen. Man benötigt übrigens nur einen Bruchteil der Luft, die man einatmet, um zu sprechen. Und je besser Sie mit Ihrer Luft haushalten, desto gesetzter wird Ihre Stimme wirken. Und singen Sie, wann immer Sie können. Singen hebt die Stimmung und trainiert die Stimmbänder. Ich singe gerne leidenschaftlich im Auto und achte dabei aus gutem Grund auf geschlossene Fenster.

Vielen Dank für das Interview!

Halo-Effekt: Ist der erste Eindruck immer richtig?

Nein. Der Erste Eindruck ist zwar immer wichtig aber nicht immer richtig.

Sie haben das bestimmt schon erlebt: Sie lernten jemanden ganz neu kennen und fanden sich gegenseitig schrecklich. Nach einiger Zeit, die Sie miteinander verbracht hatten, merkten Sie, dass genau diese Person ihr Leben auf wunderbare Weise bereichert und waren im Nachhinein glücklich, dass Sie sich kennen gelernt haben.

Ein schlechter Start mit einem furchtbaren ersten Eindruck kann sich zu einer wundervollen Beziehung entwickeln.

Ihr Unterbewusstsein entscheidet beim ersten Zusammentreffen mit einer Person, ob sie für Sie ein Feind, ein Freund, ein möglicher Sexualpartner oder „keiner der eben genannten“ ist. Das letzte ist gleichzusetzen mit: „Diese Person wird mir nichts geben, ich werde vor ihr nichts zu befürchten haben und ich werde mit ihr nicht versuchen Kinder zu zeugen. Sie ist für mich und mein Leben uninteressant.“ Sobald Ihr Gehirn entschieden hat, reagieren Sie. Mit Flucht, Angriff, ausgiebigem Balzverhalten oder Sie ziehen desinteressiert Ihrer Wege.

Wenn das Gehirn so perfekt funktioniert, warum gibt es dann den „schlechten Start“ bei einem Kennenlernen? Das haben wir dem sogenannten Halo-Effekt (Heiligenschein- oder Teufelshörner-Effekt) zu verdanken. Das ist eine Wahrnehmungsverzerrung, die uns einen Menschen aufgrund eines einzigen Merkmals in positive oder negative Schubladen stecken lässt. Ein großer Mann wird demzufolge als erfolgreich eingestuft und ein Brillenträger, sowie attraktive Menschen als intelligent. Aufgrund dieses Halo-Effekts beurteilen wir Menschen nach Oberflächlichkeiten, die sich schon beim zweiten Eindruck nivellieren können. So kann eine aufgedonnerte Blondine einen intelligenten Witz beherbergen, den Sie ihr nie zugetraut hätten. Oder ein Mann im V-Ausschnitt-T-Shirt und Halskettchen kann sich als ein belesener und sehr eloquenter Gesprächspartner entpuppen, der auch noch wunderbar duftet.

Merke: Seien Sie sich des Schubladendenkens bei jedem Kennenlernen bewusst und lassen Sie vielleicht lieber Ihr Herz über den ersten Eindruck entscheiden.

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